Jedes Kind kann schlafen lernenBedenkliche Einschlafmethoden für Babys
Das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" sorgt bei vielen Eltern für erhitzte Gemüter. Nicht ohne Grund.
Ein Problem, mit dem sich frischgebackene Eltern immer wieder herumschlagen, sind die unregelmäßigen Schlafgewohnheiten des Nachwuchses. Wenn das Baby die Nacht zum Tage macht, immer wieder aufwacht oder nur schwer zum Einschlafen zu bringen ist, geraten Mütter und Väter oft an den Rand der Verzweiflung. Ein Ratgeber der sich mit diesem Thema beschäftigt aber auch immer wieder für erhitzte Gemüter sorgt, ist das Buch von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Ferbern zerstört UrvertrauenAuf 176 Seiten beschreiben die Autoren nicht nur die Theorie zum Schlafverhalten von Säuglingen, sondern auch die sogenannte Ferber-Methode. Deren Grundzüge bestehen darin, das Kind von Tag zu Tag etwas länger schreien zu lassen bis es schließlich aufgibt und von allein einschläft. Und genau darin liegt das Problem des Werkes. Schon die Begrifflichkeit „kontrolliertes Schreienlassen“ verdeutlicht, dass das Buch keineswegs ein Kind ohne seelischen Schaden zum Einschlafen bewegt. Denn lässt man ein Baby einfach schreien, das ist inzwischen hinlänglich bewiesen, wird das Urvertrauen zerstört und das kann durchaus als seelischer Schaden definiert werden. Denn das Kind merkt unter Anwendung dieser Strategie schnell, dass es nichts hilft, zu schreien, dass die Eltern nicht kommen und dass man den Menschen, die eigentlich die engste und wichtigste Bezugsperson für das Baby darstellen, nicht vertrauen kann. Besser mit sanfter HilfeKinder sind keine Maschinen, die sich innerhalb weniger Tage auf den Rhythmus der Eltern trimmen lassen. Es sind kleine Wesen die nach und nach den täglichen Ablauf in der Welt da draussen, mit all ihren Reizen und Einflüssen, lernen müssen. Eine sanfte Unterstützung und liebevolle Begleitung durch Mutter und Vater helfen dem Baby weit mehr als die massive Verletzung der natürlich gegebenen Vertrauensbasis. Und dafür gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass das Tragen im Tragetuch einen weit gesünderen Einfluss auf das Schlafverhalten eines Babys haben kann. Der amerikanische Professor Ferber, auf den die extreme Methode zurückgeht, hat sich übrigens inzwischen mit Bedauern darüber geäußert, dass seine Thesen, von denen er sich sogar teilweise distanziert hat, immer noch soviel Zuspruch finden. „Ich wünschte, ich hätte diese Sätze nicht geschrieben. Sie stammen aus der herkömmlichen Literatur. Es sind Pauschalaussagen, die einfach nicht stimmen.“ So äußerte sich der Schlafforscher in einem Interview John Seabrook. Unter diesen Umständen empfiehlt es sich, von diesem Buch Abstand zu nehmen und sich auf die Suche nach anderen Lösungen zu begeben. Lösungen die das Kind begleiten und unterstützen, statt dessen Urvertrauen zu zerstören und damit nachhaltige Schäden im Seelenleben des Nachwuchses anzurichten.
Der Artikel Jedes Kind kann schlafen lernen in Säuglinge & Kleinstkinder unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Jedes Kind kann schlafen lernen ist Julia Hoffmann.
Ähnliche Artikel
Ähnliche Themen
Schlagworte
Mehr in Partnerschaft & Familie
|